- Das Ende –

Tja…nach fast 3 monatiger Spechter-Tournee auf dem virtuellen Marktplatz bindungsunfähiger Singles, habe ich gestern „einen kleinen Schritt für einen Menschen, aber einen großen Schritt für die Menschheit“ unternommen.
In einem Anfall mir bisher unbekannter Erleuchtung habe ich mein Profil gelöscht.
Ja ich weiß…die Cyber-Ladies werden mich vermissen…entschuldigt. Aber dieser Schritt war unumgehbar.
Nun ja, ihr werdet euch fragen, was mich zu dieser Heldentat veranlasst hat…Aber am wahrscheinlichsten ist wohl eher die Frage…“Was will der Typ von uns?“ Und ihr werdet von mir die Antwort zu hören bekommen: „Nichts!“
Dies hier dient ausschließlich meinem eigenen Seelenheil und dem Zweck mit der Vergangenheit abzuschließen.

Um den Neugierigen unter euch dennoch die Frage des „Warums“ zu beantworten, werde ich einfach nur meine Erfahrungen so kurz wie möglich aber so lang wie nötig zum Besten geben.
Ich werde versuchen, diese möglichst wertfrei zu berichten…weil Schiebung lasse ich mir nicht nachsagen.

Beginnen wir mit RENDEVOUS 2 – was für mich persönlich den Namen: „Blitzkrieg der Gefühle“ trägt.
Viel Spaß beim gruseln…..

RENDEVOUS 2 – Kicky

Nachdem Kicky und ich uns über, den von Liebhabern liebevoll Fickalarm genannten Internet-Puff „kennengelernt“ hatten, war es an der Zeit sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.
Gut, hätte ich mir nicht vorher mit den samstäglichen Überresten die Nase etwas aufgepudert und ich am folgenden Dienstag keinen Urlaub gehabt, dann wäre es wohl nie zu dieser „unheimlichen Begegnung der 3.Art“ gekommen.

Ich willigte also per SMS ein, dass sie vorbei kommen könnte um sich meine Ohren anzuschauen. Ja ihr lest richtig…es ging um Ohren.
Eine Viertelstunde vor dem „Königstreffen“ telefonierten wir, damit ich ihr meine genaue Adresse geben konnte: „Linner Straße 21“. „Bin gleich da.“ lautete, die mit recht überraschender Neutralität vorgetragene Antwort. Sei es drum.
Zehn Minuten später klingelt mein Handy. Sie ist es. „21? Wo soll das sein? Hier 9…9a….12…15. Wie sieht das Haus denn Haus?“ Toll, denke ich mir, wie beschreibe ich ein Haus in einer Uerdinger Seitenstrasse?! „Da steht ein lila Corsa vor!!“, besser kann man es wohl nicht erklären. Wir legen auf.
Keine 2 Minuten später, erneut mein Handy. „Ich stehe jetzt vor deiner Tür.“, man spürt Freude über diesen Erfolg in der Stimme. „Soll ich klingeln?“…Ich hab so ein komisches Hupen im Kopf nach dieser Frage, aber ich antworte: „Mach mal!“
Ding Dong…gibt’s ja gar nicht…es ist vollbracht.

Bei der Begrüßung an meiner Tür verzichte ich ausnahmsweise auf die üblichen Höflichkeitsfloskeln àlla Hände schütteln; Umarmung; Umarmung mit Küsschen etc.
Wir gehen einfach rein. Ich biete etwas zu trinken an. Gott sei Dank habe ich keine so große Auswahl, was das angeht, sonst wäre der Abend wohl noch länger geworden, als er ohnehin schon war. Die schwerwiegende Entscheidung zwischen Orangensaft und Wasser ließ auf sich warten. „O-Saft…“. „Sollst du haben!“, hau ich locker wie Käsekuchen raus.

Wir sitzen uns gegenüber und sie schaut sich erst mal um. Was in einem anderen Zusammenhang, später am Abend seinen absurden Höhepunkt finden soll.

Ich fange an zu erzählen. Will das ganze etwas auflockern…ihr versteht schon. Doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass meine Worte wie ein Squash-Ball an ihrer Stirn abprallen. Stille.
Was jetzt? Also, du willst mir nicht zuhören oder du verstehst mich nicht, dann erzähl du doch was, denke ich schon leicht verzweifelt. „Erzähl` du doch mal was?“ – „Was soll ich denn erzählen?“. Von mir aus erzähl das du mit dem Arsch Nüsse knacken kannst, aber erzähl etwas. „Hmmm…was war zum Beispiel das Schönste das du je erlebt hast?“ Sehr gut Dr. „Icebreaker“ Muff. Irrtum: „Ich weiß nichts! Ist immer so blöd einfach irgendwas zu erzählen.“ Richtig, dass ich darauf noch nicht gekommen bin…bei Unterhaltungen ist es immer wichtig was gaaanz Tolles vorzutragen. Ich höre schon wieder dieses hupen.
Na schön, wenn du nicht willst, dann muss ich andere Geschütze auffahren. Ich hechte in mein Schlafzimmer, um die beeindruckendenste aller Trophäen von meinem Schrank zu holen.
„ Hier…da war ich 20. Mister Oberbayern…Playa de Palma…cool was?“ Ein Lächeln, kein Lachen, aber immerhin. „Ich war auch schon zweimal Single des Tages beim Liebesalarm.“ Das Lächeln verschwindet. War das jetzt etwa zu dick aufgetragen?
Nun ja…sie wird dann doch etwas lockerer und langweilt mich wenigstens mit Geschichten über ihre Arbeit und die Gemeinheiten des Lebens. Das hab ich gebraucht…auf Koks und Beck`s Gold, Auszüge aus dem Zyklus „10 Gründe warum ich mich umbringen sollte“ zu hören. Besser als Schweigen ist es dennoch.
Dann aus heiterem Himmel, eine Frage die mich in meinen Grundfesten erschüttert: „Darf ich meine Jacke eigentlich nicht ausziehen?“ Daran lag es also…ich hoffe das meine Mutter nicht mitbekommen hat, dass ich einen Gast nicht gebeten habe seine Jacke aus zu ziehen. „Klar. Warum nicht?! Gib her.“ Sie gibt mir die Jacke und ich hänge sie an meiner unmontierten Schreibtischrückwand auf.
Es wird langsam.

Eine gute Stunde später wird es ihr auf meinem Sessel zu ungemütlich. „Kannst dich gerne auch hier auf die Couch setzen!“ Den „Ich-beiße-nicht“-Spruch spare ich mir für später auf.
„Hmmm..“, stöhnt mein Gast. Aha, ich soll also dieses „Ich-bin-so-schüchtern-nimm-mir-die-Angst“-Spiel mitspielen. Okay, darin bin ich wirklich gut: „Ich kann auch gerne aufstehen und du setzt dich hierhin.“ Wieder dieses „Hmmm…“ gepaart mit einem verlegenem Lächeln.
„Gut…ich muss eh mal aufs Klo…kannst dir ja dann einen Platz aussuchen.“ Hoffentlich hat sie nicht das klatschen gehört, als ich mir die Hand vor den Kopf geschlagen habe.
Ich beende mein kleines Geschäft und gehe, nachdem ich tief eingeatmet habe, zurück in den „Vorhof der Hölle“.
Gähnende Leer. Mein Blick schweift hektisch durch`s Zimmer….bumm…meine Augen bleiben an der geöffneten Balkontür hängen. Da steht sie, mitten in der Tür, so als hätte sie Signori Pirelli höchstpersönlich so dort platziert und mit einem Gesichtsausdruck, der stark an einen eingesprungenen Blue Steel erinnert. Das Hupen wird ersetzt durch Alphornbläser.
Ich gehe hinaus zu ihr. Die frische Luft tut mir gut. Sie steht mit dem Rücken zu mir, dreht sich blitzartig um…und zum ersten Mal an diesem Abend schauen wir uns wirklich in die Augen.
Das muss man ihr lassen, schöne Augen und einen schönen Mund, dass hat sie wirklich.
Ich bekomme eine Erektion. Liegt das jetzt an diesem Moment? Oder an der Tatsache, dass ich diesen Moment nicht völlig unbeeinflusst durch die Wirkung von Drogen erlebe? Um mich zu beruhigen, wähle ich Option B.
Ihr wird es zu kühl draußen und wir gehen wieder rein.

Sie setzt sich ohne irgendwelche Komplikationen neben mich auf die Couch.
Na, da geht doch was…..
Vom reinen Erfahrungs- und Meinungsaustausch her, hat sich durch die neue Sitzkonstellation nichts geändert.
Ich Blicke abwechselnd zum Fernseher, wo ein Musikkonzert läuft, dann zu ihr. Mach ich es mir doch mal gemütlich und haue mich entspannt in die Couch, denke ich. Vielleicht ist das ja genauso ansteckend wie Gähnen.
Es funktioniert tatsächlich. Sie legt sich halb auf meinen Leder-Zweisitzer.
Als sie sich kurz nach vorne beugt um sich eine Zigarette zu nehmen, erhasche ich einen Blick auf ihr „Arschgeweih“, aber was viel wichtiger ist, auf ihre Unterwäsche. Diesesmal hätte ich die Erektion auch ohne Fremdeinwirkung bekommen.
Eigentlich ist der Begriff „Unterwäsche“ hier absolut deplatziert. Ich mein…“Wäsche = mindestens ein Kilo“. Aber das, das wäre selbst für einen Präzisionswaage unwiegbar gewesen.
Mein erhitztes Gemüt beruhigt sich als sie sich wieder zurücklehnt und somit meinen animalischen Trieben Einhalt gebietet. Um zusätzlich meine Libido zu beruhigen, wende ich die Blicke von ihr ab und starre erneut auf den Fernseher.
Aber da ist irgendwas….ich spüre es…es fühlt sich wie der Atem eines anderen Menschen in meinem Gesicht an, aber es sind zwei hellblaue Augen die mich von der Seite anstarren.
Ich drehe mich zu ihr um und mich trifft ein Blick, welcher Erotik und Sehnsucht austrahlen soll. Mich erinnert es eher an Else Kling, die sich ihres zuvor bei Sarikakis verspeisten Biftekis entledigt. Geschmäcker sind halt verschieden. Ich starre zurück, möglichst unerotisch
und frage: „Was ist?“ – „Nichts.“ –Wie immer,denke ich. – „Warum guckst du mich so an?“
Ich hab viel erwartet, aber folgende Antwort zwang mich zur Überstrapazierung meines Schließmuskels, damit ich mir nicht in die Hose kacke: „Ich check` dich ab!“
Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen…“Ich check` dich ab!“….

Ich werde gerade so richtig professionell abgecheckt. Und ich muss gestehen es handelt sich um eine Erfahrung, um die es nicht schade gewesen wäre sie eben nicht zu erfahren.
Aber, für Rückzieher ist es jetzt zu spät.
„Oh…ach so…hmmm…dann check` ich dich jetzt auch ab!!“ Schlagfertigkeit war schon immer eine Stärke von mir.
Wir checken uns also die nächsten gut zwei Stunden ab. Zwischendurch gefällt mir die Sache durchaus, da mein Lieblingsspiel aus der 3.Klasse wiederbelebt wird: „Wer kann wem länger in die Augen schauen“. Mann sollte das letzte Wort in „hauen“ ändern.

Nach wenig Unterhaltung, stundenlangen abcheckens, einigen Mord- und Selbstmordsgelüsten, bringe ich die junge Dame noch zu ihrem Auto. Es steht vor Hausnummer 8.
Wir stehen etwa noch fünf Minuten vor ihrem Auto, sie schaut mich an, ich sie….und plötzlich wendet sie sich ab mit den Worten: „Guck` nicht so…macht mich nervös! Wir sollten jetzt schlafen gehen!“
Häää, denke ich. Wie bitte…hab ich irgendwie das erotische Osterfeuer welches zwischen uns entbrannt ist verpasst? „Ja…sollten wir! Komm` gut nach Hause!“.

Sie braust davon, in ihrem Golf 3 mit getönten Heckscheiben, den Riffelblechen im Fußraum und dem gemütlichen grünen Licht im Innenraum.

Ich lege mich auf meine Couch und schaue mir an, wie Dean Martin in „Rio Bravo“ treffend singt „My Rifle, my Pony and me“…….

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