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Medienfrühling '05 - Weisser Rauch und Maiglöckchen
Der diesjährige Frühling in Deutschland mag einem schon ein wenig wie die Weihnachtszeit vorkommen, denn neben internationalem Trauergedusel um Fürst Rainier von Monaco und dem Tod von Papst Johannes Paul gab es noch für uns Deutsche als Sahnebonbon das Dahinscheiden von Trinkerlegende Harald Juhnke sowie Oberdame vom Grill Brigitte Mira auf dem Gabentisch der Gefühle.
Grund genug für die Medien schwülstige Ansagen und Schlagzeilen bis zum Abwinken zu produzieren, denn was gibt es schöneres nachrichtentechnisch zu provozieren als Anteilnahme?

Gerade bei uns im sonst so lustigen Deutschland, dem Land in dem die Spaßgesellschaft schon dermaßen fortgeschritten ist, dass sich ein jeder dazu berufen fühlt "Poppstar" zu werden oder vorlaufender Kamera wildfremden Menschen zu verzapfen wer der wirkliche Vater seines Kindes ist, sind solche Momente der Trauer geradezu willkommen Brot.
"Schliesslich darf neben allem Spaß auch der Ernst nicht zu kurz kommen." mag man sich in so mancher Redaktion gedacht haben und so dürfte jeder Kleingeist der wollte neben der Hochzeit von Englands segelohrigem Prinzen mit seiner Lieblingsschnapsdrossel auch den Trauerfeiern von Juhnke und dem Monegassen-Fürsten am Bildschirm dabei sein.
Apropos Ernst nicht zu kurz kommen, den Medien zu Folge ist auch ein Ableben von Pinkelprinz Ernst August nicht ausgeschlossen. Ob wir dann auch dessen Trauerfeier beiwohnen dürfen erscheint aber mehr als fraglich, denn Ernst August hat in den letzten Monaten definitv zu wenig schlacksigen Journalisten die Nase weich geboxt und naja, man wird ihm auch nie diese Pinkelaffäre verzeihen, deshalb Mitteilnahme Si, Fernsehminuten für Ernst August No!
Nun denn, Millionen meiner Mitbürger haben es sich nicht nehmen lassen Anteilnahme zu zeigen und dabei zu sein. Das ist als Deutscher in Zeiten wo jeden Tag ein anderer KZ-Befreiungsgtag gefeiert wird auch eines jeden verdammte Pflicht. Schließlich haben wir schon sowohl bei nine-eleven als auch beim Seebeben in Asien eindrucksvoll gezeigt wie mitleidensfähig wir sind, auch wenn das was aktuell in Asien abgeht kaum noch jemandem ein Arschrunzeln entlockt. Wir sind die Deutschen, wir können leiden und vor allem können wir vor der Glotze hocken.
Bei all der Jammerei auf hohem Niveau auf Grund der wirtschaftlichen Lage kommen all diese Ereignisse gerade recht und fast so als hätten sich die Götter abgesprochen bricht nun nach den Zeiten dicker Krokodilstränen die Wolkendecke über Deutschland auf und erhellt die Herzen der weichgespülten Menschen mit strahlendem Licht, denn schließlich steigt nach gut 500 Jahren mit Joseph Ratzinger endlich auch mal wieder ein deutscher auf den Thron des Vatikan, einem Zwergstaat irgendwo in Italien oder so.
Grund genug für Deutschlands volksverblödenste Zeitung mit folgender Schlagzeile auf die Tonne zu hauen:  Tja, so ist das eben. Wir sind Weltmeister!!! Da werden Erinnerungen an 1990 wach, als Andreas Brehme eiskalt den Ball per Elfer in die Maschen des Netzes schob. Da vergessen wir auch mal ganz schnell die Arbeitslosenzahlen und sind jetzt stolz als Deutsche, dass unser Kandidat das Rennen um den heissen Sitz im Vatikan gemacht hat.
Dieser Erfolg ist mindestens mit einem Grandprix-Sieg gleichzusetzen, wenn nicht sogar mit dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft. Er lässt unsere deutsche Brust wieder ein wenig anschwellen, denn plötzlich sind wir wieder wer. Möchte man meinen, kann man auch meinen, muss man aber nicht, denn meinen bedeutet ja nicht unisono wissen, ein Licht welches so manchem deutschen Sesselfurzer und Profizapper leider nicht aufgegangen ist.
Weisser Rauch war es nicht nur der gestern der gestern durch den Kamin der sixtinsichen Kapelle zu Rom, nein, weisser Rauch war es auch der gestern mein Wohnzimmer erfüllte als ich resignierend mit einer Flasche Wein die Halbzeitpause eines hervorragenden Fußballspiels dazu nutzte um das Tagesgeschehen zu verfolgen.
Und da waren sie dann alle, die Männer mit dem lustigen Mützchen, jene die Gott näher sind als ich und du und schwadronierten vor der Kamera rum. Im Anschluss an das Fußballspiel ging es dann heiter weiter mit dem päpstlichen Eiertanz und man erfuhr zwingend wichtige Dinge über "unseren" Deutschen Papst.
Dass er Luftwaffenhelfer im Krieg war, in einem Kaff aufwuchs in dem man nicht an viel mehr glauben konnte als an Gott und dass er jetzt nicht mehr Joseph Ratzinger heisst sondern Benedict XVI. ! 
Tja, das Spiel mit den Namen, Mann, Mann, Mann. Cassius Clay wollte auf einmal Muhammed Ali heissen, Jim Osterberg nannte sich Iggy Pop, aus dem smarten Journalisten Clark Kent wurde Supermann und Joseph Ratzinger heisst jetzt eben Benedict XVI., verrückte Welt. Auch in kleineren Sekten gibt es dieses Phänomen.
Der Oberschlumpf sucht sich grundsätzlich einen cool klingenden Namen aus und dann geht die Post ab.
Ich hätte mich übrigens an Joseph Ratzingers Stelle Julius oder so genannt, das hätte zum einen zu seiner Stimmlage gepasst und zum anderen hätte er seine Briefe schön mit "Gruß und Kuss, Dein Julius!" unterzeichnen können.
Auf jeden war war er schön, der Medienfrühling ' 05 und unsere Versagerregierung konnte ihn sogar herrlich für ihre Zwecke ausschlachten.
Da vergisst man doch glatt, dass Herr Schröder eigentlich noch viel wahnwitziger ist als man ohnehin schon dachte, denn nur um politisch seinen Arsch retten zu wollen in dem er hofft, Waffenhandel mit den Chinesen spüle einen goldenen Regen in die leere Staatskasse ist nicht nur ziemlich mit Verlaub gesagt bescheuert, sondern auch recht unverantwortlich.
Da soll er doch lieber auf das nächste Hochwasser im Osten warten was hoffentlich ein paar aus der braunen Gesinnung mit sich reisst, denn dort hält man das Fähnchen politisch eh so in den Wind wie es gerade am besten auskommt..............
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