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Mein Abschied vom Leistungssport

Bundesligaaufstieg 97 - Da hatte es noch Spaß gemacht
Friedrich Schiller hat einmal gesagt:
"Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich."
Damit hat er durchaus recht gehabt, denn die Art wie ich meine sportliche Laufbahn nach sovielen Jahren beendet habe war alles andere als erfreulich.
Schlimmer noch als der Abgang an sich waren jedoch all die Dinge die mir noch anschliessend aufgefallen sind und die meine Meinung bezüglich einiger Personen sehr, sehr stark verändert haben.
Hätte ich nur annähernd geahnt wie sich die ganze Sache entwickeln würde, wäre ich nie wieder bei meinem Heimatverein Aegir Uerdingen gelandet und hätte im Sport andere Wege eingeschlagen.
Als ich dort mit Anfang 20 als bereits gestandener Bundesligaspieler in der Oberliga die Badehose schnürte ahnte ich jedoch nichts von all dem was passieren sollte und naja, ich war wohl auch wie das in dem Alter eben noch so ist - etwas unüberlegt in meinem Handeln.
Ich spielte dort anfangs in einer Mannschaft von der nur noch 2-3 Spieler letzten Endes am Bundesligaaufstieg 6 Jahre später beteiligt waren. Da es mir anfangs auch vom Zusammenhalt und den Rahmenbedingungen her sehr gut gefiel schlug ich in der Zeit bis zur Rückkehr in die Bundesliga 2x Engagements in Bundesligaclubs aus. Das erste mal war es direkt in der 1.Saison für Aegir beim SV Cannstatt, das zweite Mal war es dann im Jahr vor dem Aufsteig beim SV Bayer zu wesentlich lukrativeren Bezügen.
Zu dieser Zeit glaubte ich noch an all diese Dinge
wie Kameradschaft, Vereinzugehörigkeit usw. aber ich sollte eben später mehrfach eines besseren belehrt werden.
Mit dem Aufstieg in die erste Liga fingen auch beim Uerdinger Provinzverein die Uhren anders an zu ticken und plötzlich drängten sich im Umfeld Leute in den Vordergrund, die bis zu dem Zeitpunkt nicht ein Fünkchen zum sportlichen Aufschwung beigetragen hatten.
Es wurde nun auch ein neuer Trainer verpflichtet, alles sollte plötzlich anders und vor allem schnell funktionieren, am besten sollte man im 2.Jahr der Bundesligazugehörigkeit schon um Meisterehren spielen.
In dieser Saison warf ich kurz vor Saisonende und nach einer für alle Beteiligten mehr als unzufrieden stellenden Saison die Brocken. Ich konnte mir dann aus nächster Distanz ansehen wie die neuen "Macher" die Karre in den Dreck fuhren und kam dann mit einer Frist von 2 Wochen bis zum Wechseltermin zurück, nahm mir Urlaub und versuchte (nachdem man bereits den Rückzug des Wasserballbetriebes bekanntgegeben hatte) binnen dieser 2 Wochen neue Spieler zu bekommen.
Natürlich konnte man bei gerade einmal 3 übrig gebliebenen Spielern, die sich mit 10 neuen Spielern zu einer Einheit ergänzen sollten nicht erwarten, dass große Dinge geschehen, aber immerhin verabscheidete sich der Verein mit erhobenem Kopf aus der 1.Liga.
Interessant hierbei zusehen war damals schon wie einen jene die einem kurz zuvor noch Dreckklumpen hinterherwarfen einen plötzlich mit verklärtem, milden Blick ansahen.
Die Jahre darauf zog ich noch ein paar jüngere Spieler zum Aegir und legte so einen Grundstein der den Wasserballbetrieb aus personeller Sicht für die nächsten Jahre sicherstellen sollte. In der 2.Liga spielte die Mannschaft dann stets eine gute Rolle.
Als dann einer meiner alten Sportsfreunde, der sich jahrelang aus dem sportlichen Bereich zurückgehalten hatte plötzlich zum sportlichen Leiter ernannt wurde und ein Trainer verpflichtet wurde, der in jedem Verein wo er tätig war viele Scherben hinterliess floh ich dann über den Zaun zum ungeliebten SV Bayer 05, wo ich dann nochmal eine Saison mit recht ordentlichen Leistungen in Liga 1 spielte.
Wäre ich mal dort geblieben und hätte meine Karriere einfach ausklingen lassen, alles wäre in Ordnung gewesen, aber bereits das jahr darauf reizte mich die Idee mit einem meiner ältesten Sportskollegen nochmal in die Bundesliga aufzusteigen und das am besten natürlich mit Aegir Uerdingen. Dort wo ich angefangen hatte zu spielen und wo ich den Großteil meiner Jugend verbracht hatte.
Leider hatte ich zu dem Zeitpunkt als ich mir für diesen Schritt entschied nicht gewusst, dass ausser mir von Bayer ein sehr unbeliebter Charakter der Wasserballwelt den Weg in den Aegir fand, dessen Vater auch nicht gerade zu den Lichtgestalten dieses Sports gehört, eher zu jenen die ewig rummäkeln solange es nicht die eigene Weisheit ist die als Wort steht.
Einer der meint das Spiel erfunden zu haben und die Jahre zuvor an dem Verein Aegir nie ein gutes Haar gelassen hatte.
Das Unheil nahm also (wie ich es direkt zu Beginn der Saison befürchtet hatte) seinen Lauf und schon kurze Zeit später hatten sich Vater und Sohn in gewohnter Manier in diesem Verein so breit gemacht, dass sie plötzlich alle Vollmachten in sportlichen Belangen inne hatten. Als ich dann noch über Dritte hörte wie meine sportliche Zukunft in diesem Verein aussehen sollte entschloss ich dann in den Sack zu hauen und spielte auch die entscheidenden Spiele um den Aufstieg nicht mit.
Damit war nun das Kapitel Aegir endgültig abgeschlossen. Das zu verdauen brauchte dann schon ein paar Tage, aber was ich danach noch alles erfuhr an Armseeligkeit von Menschen mit denen ich eigentlich immer ganz gut zurechtkam war dann mehr als bitter und hat für mich auf alle Zeiten einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Ich hätte gerne noch etwas weitergespielt, aber bei einem Krefeld 72 in der 3.Liga war man nicht an einem Engagement interessiert. Komisch dabei war, dass der Trainer dieses Vereins immer gerne mit mir fachsimpelte und das Gespräch suchte, aber als Spieler war ich ihm wohl zu gefährlich. Kein Wunder irgendwie, denn der Mann hat in seiner bisherigen Arbeitszeit für diesen Verein erstaunlich wenig mit wenig Aufwand geleistet.
Hintenrum erfuhr ich jedenfalls dann noch, dass sich wohl ein alter Aegirmannschaftskamerad, dessen untalentierter Sohn in Reihen dieses Vereins spielte, den Vorstand dieses Vereins vor einer unmöglichen Person wie mir gewarnt hatte und dabei anscheinend bei der Beschreibung meiens Charakters kein Blatt vor den Mund nahm.
Es wurde also auch auf menschlicher Basis gegen mich geschossen und das noch von irgendwelchen Heinis die sich einen abgeiern wenn sie jetzt bei Altherrenmannschaften den Heinz machen dürfen, während sie als aktive Spieler eigentlich recht wenig erreicht haben.
Das Sylvester darauf war ich bei Freunden eingeladen, wunderte mich jedoch dass mich ein anderer Freund aus dem Sportbereich nicht mal gefragt hatte ob ich bei ihm vorbeikommen möchte, dafür aber Leute mit denen er weitaus weniger zu tun hatte.
Die Verwunderung war aber schnell geklärt, denn offensichtlich waren bei ihm auch mehrere meiner alten "Aegir-Kameraden"auf der Feier und die wollten nun ja nichts mehr mit mir zu tun haben. Welche von denen die eigentlich gar nichts dort erreicht haben und die auch kaum Bezug zum Sport an sich mehr haben ausser ihr Hobby-Truppe.
Das waren dann die Sachen die
ich weitaus peinlicher fand als all das was zuvor geschehen war und die mein Bild von Werten und Vorstellungen arg zerrissen haben.
Den Begriff Freunde habe ich nun neudefiniert, den Begriff Sportskameraden schon lange und irgendwie ist es nun alles wie ein nicht zuende geträumter Albtraum der voramls ein schöner Traum war.
Ich hoffe aber innigst, dass das Leben sich so gnädig zeigt, dass wenigstens ein paar dieser Vollspacken bestraft, mich jedenfalls würde es innigst freuen, auch wenn das sehr verbittert klingt - es ist ja auch sehr verbittert alles.
Mittlerweile gehe ich einmal die Woche in Duisburg mit den Kameraden von damals ins Wasser um zu zocken. Dort wurde ich seinerzeit ordentlich verabschiedet und auch mmer wieder freundlich begrüßt. Im Aegir bin ich auch noch auf Wunsch meiner Mutter Mitglied, aber die Entwicklung in diesem Verein ist beängstigend und die die sie zu verantworten haben werden sich wenn es lichterloh brennt wieder verpissen, wie das eben so ist im Leben....
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